Simson S 50: Die Neukonstruktion für die sportliche Jugend (1975–1980)
Ein völlig neues Konzept
Mit dem S 50 löste Simson 1975 die bisherigen Vogelserie-Modelle Star und Habicht ab und stellte ein komplett neu konstruiertes Kleinkraftrad vor. Die Grundidee reichte bis 1967 zurück, als die Gestalter Karl Clauss Dietel und Lutz Rudolph das sogenannte „Offene Prinzip“ entwickelten – ein Konzept, das spätere Änderungen ermöglichte, ohne die Grundform aufzugeben. Vorgestellt wurde das S 50 auf der Leipziger Herbstmesse 1974, die Serienfertigung begann im Februar 1975. Ziel war es, nicht nur ein reines Verkehrsmittel zu bauen, sondern der wachsenden Bedeutung von Kleinkrafträdern für Freizeit und Sport gerecht zu werden. Das zeigte sich in der motorradähnlichen Optik, fünf Lackierungen und mehreren Ausstattungsvarianten.
Technik: neuer Rahmen, neue Gabel, neuer Motor
Der stets schwarz lackierte Rahmen war zweigeteilt und verschraubt, was Reparaturen erheblich erleichterte. Vorn kam erstmals eine ungedämpfte Teleskopgabel mit 130 mm Federweg zum Einsatz, hinten blieb die bewährte Schwinge mit hydraulisch gedämpften Federbeinen. Der Motor M53/2 KF leistete aus 49,6 cm³ Hubraum 2,65 kW (3,6 PS) bei 5500/min und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von rund 60 km/h. Das 3-Gang-Getriebe war klauengeschaltet, der Verbrauch lag bei günstigen 2,5 Liter auf 100 Kilometer. Der Tank fasste zunächst 9,5 Liter, ab 1978 wurde er durch den im Volksmund „Bananentank“ genannten, 8,7 Liter fassenden Tank ersetzt.
Vier Varianten: N, B, B1 und B2
Das einfache S 50 N war für Land- und Forstwirtschaft gedacht, ohne Blinker, Zündschloss oder Batterie. Das S 50 B, ab Februar 1975 das erste Serienmodell, besaß bereits eine Vierleuchten-Blinkanlage und Bleiakku. 1976 folgte das B1 mit Standlicht und stärkerem Fahrlicht, im selben Jahr das B2 mit einer damals hochmodernen, wartungsfreien Hochspannungskondensatorzündung – einer der ersten kontaktlosen Zündanlagen im gesamten Ostblock. Insgesamt entstanden bis 1980 rund 580.700 Fahrzeuge aller Varianten.
Auszeichnung und Beliebtheit
Im Dezember 1975 erhielt das S 50 als eines von nur wenigen DDR-Fahrzeugen das höchste Gütezeichen Q. 1978 wurden drei Varianten mit der Auszeichnung „Gutes Design“ prämiert. Wegen seines sportlichen, modernen Auftretens war das S 50 bei Jugendlichen in der DDR äußerst begehrt und verdrängte auf dem Markt sogar importierte Jawa-Mustang-Modelle. Die Fachpresse lobte vor allem die elastische Motoraufhängung, die Vibrationen deutlich reduzierte, sowie die verbesserte Beschleunigung: Von 0 auf 60 km/h benötigte das S 50 nur 18,5 Sekunden gegenüber 24 Sekunden beim Habicht.
Kritikpunkte und Nachfolge
Kritisiert wurden der als unzeitgemäß empfundene bauchige Scheinwerfer mit schwachem Licht sowie die harte Gummimischung der Pneumant-Reifen. Auch typische Schwachstellen wie eine bruchgefährdete Tachowelle oder undichte Telegabeln blieben nicht aus. 1980 wurde das S 50 vom S 51 abgelöst, sein grundlegendes technisches Konzept lebte jedoch bis zur Werksschließung 2002 fort – zuletzt im S 53. Das S 50 gilt bis heute als wichtiger Wendepunkt in der Simson-Geschichte: der Übergang von einfachen Alltagsfahrzeugen zu einem sportlich-modernen Mokick, das eine ganze Generation DDR-Jugendlicher prägte.