Simson S 53: Das letzte in der DDR entwickelte Mokick (1990–2002)
Der letzte DDR-Entwurf
Die Simson S 53 trägt einen besonderen historischen Titel: Sie ist das letzte noch zu Zeiten der DDR entworfene Mokick des Suhler Werks. Bereits 1984 begannen die Entwicklungsarbeiten an einem Nachfolger für die erfolgreiche S 51, doch fehlende finanzielle Mittel zwangen die Konstrukteure, sich auf vergleichsweise kleine Änderungen zu beschränken. Aus diesem reduzierten Entwicklungsprogramm ging schließlich 1990 die S 53 hervor – nur wenige Monate vor dem Ende der DDR.
Modernere Optik, bewährte Technik
Der auffälligste Unterschied zur S 51 war ein moderneres Erscheinungsbild, erreicht durch grosszügigere Verkleidungsteile aus Kunststoff und neue Farbgebungen. Technisch blieb die S 53 dagegen konservativ: Der bewährte, weiterentwickelte Zweitaktmotor M541 mit Vierganggetriebe kam auch hier zum Einsatz – lediglich bei der Mofa-Ausführung mit reduzierter Gangzahl. Im September 1990 löste die S 53 offiziell die bisher produzierten S-51-Modelle ab, wobei die zeitgenössische Fachpresse durchaus bezweifelte, ob die eher zaghaften Modernisierungen den Anforderungen der neuen Zeit tatsächlich gerecht werden würden.
Eine turbulente Produktionsgeschichte
Die politische Wende traf die S 53 in ihrer frühesten Produktionsphase besonders hart: Ende 1991 kam die Fertigung praktisch vollständig zum Erliegen und wurde erst im Laufe des Jahres 1992 wieder aufgenommen. 1992 erfolgte zudem eine technische Anpassung an die neue, in Deutschland gültige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h – unter anderem durch eine um 10 Grad verkürzte Auslasssteuerzeit im Zylinder. Da 1990/91 nur wenige Fahrzeuge entstanden, verfügt die überwiegende Mehrheit der gebauten S 53 bereits über diesen gedrosselten Motor.
Vielfalt unter neuem Namen
Im Laufe der 1990er Jahre wurde die S 53 in zahlreichen Varianten – darunter N, B, C und E – gebaut und teils unter gänzlich anderen Modellnamen wie „Habicht“, „Sperber“ oder „Beach-Racer“ vermarktet, eine bewusste Anspielung auf traditionsreiche Simson-Namen der Vergangenheit. Die Ausstattungen reichten von einfachen Trommelbremsvarianten mit Speichenrädern bis zur komfortablen C-Version mit Scheibenbremse vorn, Drehzahlmesser und fünffach verstellbaren Federbeinen. Zusätzlich gab es eine spezielle, auf 25 km/h gedrosselte Mofa-Ausführung für Fahrer ab 15 Jahren ohne vollen Führerschein.
Bis zum bitteren Ende im Programm
Trotz der anfänglichen Skepsis der Fachpresse blieb die S 53 bis zur endgültigen Liquidation des Unternehmens im Jahr 2002 im Fertigungsprogramm und zählte zu den erfolgreichsten Simson-Modellen der gesamten 1990er Jahre – wenngleich die Stückzahlen um Grössenordnungen unter denen des legendären Vorgängers S 51 blieben. In der heutigen Simson-Szene führt die S 53 wegen ihrer reduzierten Höchstgeschwindigkeit und der vergleichsweise geringen Produktionszahlen eher ein Schattendasein – dabei markiert sie einen bedeutsamen historischen Wendepunkt: den Übergang der traditionsreichen Suhler Zweiradfertigung von der Planwirtschaft der DDR in die Marktwirtschaft des vereinten Deutschlands.