Simson S 70: Der zweite Versuch eines Leichtkraftrads (1983–1989)
Ein hubraumstärkerer Ableger der S 51
Mit der S 70 wagte Simson 1983 den zweiten Anlauf, ein kleines Motorrad oberhalb der klassischen Kleinkrafträder zu etablieren – nach dem Sperber der 1960er Jahre der zweite Versuch dieser Art. Technische Basis war die bewährte S 51, doch der Hubraum wurde durch eine vergrößerte Zylinderbohrung von 45 statt 38 mm bei gleichem Hub von 44 mm auf rund 70 cm³ gesteigert. Der neue Motor trug die Bezeichnung M741 und leistete 4,1 kW (5,6 PS), womit die S 70 ab Werk 75 km/h erreichte und damit als zulassungspflichtiges Leichtkraftrad galt – anders als die führerscheinfreie S 51.
Technische Anpassungen im Detail
Um die größere Leistung zu übertragen, erhielt die S 70 eine verstärkte Tellerfeder in der Kupplung sowie eine geänderte Übersetzung mit einem 16- statt 15-zähnigen Kettenritzel. Optisch unterschied sich die S 70 von der S 51 vor allem durch schwarz lackierte Motorseitendeckel, Zylinder und Zylinderkopf. Als zusätzliches Erkennungsmerkmal wurde eine „7“ neben der Motornummer eingeschlagen. Vergaser, Ansaugsystem und Auspuffanlage entsprachen weitgehend denen der S 51, ebenso Rahmen und Fahrwerk – lediglich zusätzliche Unterzugstreben verstärkten das Fahrgestell für die höhere Leistung.
Modellvarianten C, E und E/2
Die S 70 C (Comfort) entsprach weitgehend der komfortorientierten S 51 C, jedoch mit dem größeren M741-Motor. Die S 70 E (Enduro) übernahm das geländetaugliche Konzept der S 51 E mit hochgezogenem Auspuff und verstellbaren Dämpfern. Ab 1985 folgte die S 70 E/2 mit einem hochgelegten Kunststoffkotflügel vorn und einer verstärkten Telegabelführung mit Klemmköpfen.
Exporterfolg als Simson Super 80
Auf Vorschlag eines Stuttgarter Reifengroßhändlers exportierte Simson die S 70 auch in die Bundesrepublik, dort unter dem Namen Super 80 beziehungsweise Super 80 Enduro. Die westdeutsche Fachpresse zeigte sich vom „Offenen Prinzip“ der Karosserie wenig überzeugt und bezeichnete das Styling als zweifelhaft, lobte aber den durchzugsstarken Motor, die gute Sitzposition und den niedrigen Verbrauch von 2,4 Litern auf 100 Kilometer. Mit einem Preis von nur 1690 DM war die Super 80 in ihrer Klasse ungeschlagen günstig – verkaufte sich in Westdeutschland aber dennoch nur rund 1000 Mal.
Ein Nischenmodell bleibt Nische
Auch in der DDR blieb der Erfolg der S 70 überschaubar: Wer die notwendige Fahrerlaubnis besaß, entschied sich häufig gleich für die stärkere MZ ETZ 150. 1989 endete die Serienfertigung der S 70 nach insgesamt rund 32.900 gebauten Exemplaren – eine verschwindend kleine Zahl verglichen mit den über 1,6 Millionen S 51. Das Konzept eines Simson-Leichtkraftrads lebte später im S 83 und in der Simson 125 weiter, während ab 1986 mit dem SR 80 zusätzlich ein Leichtkraftroller angeboten wurde – ebenfalls nur in kleiner Auflage.