Simson SR4-2 Star: Der Liebling der Jugend (1964–1975)

Simson SR4-2 Star: Der Liebling der Jugend (1964–1975)

Ein sportliches Kleinkraftrad für zwei

Nachdem die Simson-Motorradproduktion mit der Simson 425 1961 endete, konzentrierte sich das Werk in Suhl vollständig auf Kleinkräder mit Zweitaktmotor. Neben Spatz und Schwalbe entstand mit dem neuen Motorkonzept M53 KHL die Basis für ein drittes Modell der Vogelserie: den SR4-2 „Star“, ein zweisitziges, sportlich ausgelegtes Kleinkraftrad mit 3-Gang-Fußschaltung. Die Bezeichnung „SR“ (Simson-Rheinmetall) ist dabei irreführend – der Motor kam von Anfang an direkt aus Suhler Produktion, nicht mehr aus Sömmerda.

Baukasten mit eigenem Charakter

Konsequent nach dem Baukastenprinzip der Vogelserie entwickelt, übernahm der Star den Zentralrohrrahmen des Spatz sowie Laufräder, Trommelbremsen und Hinterradschwinge der übrigen Modelle. Am Vorderrad kam jedoch die in den Kotflügel integrierte Langarmschwinge der Schwalbe mit 105 mm Federweg zum Einsatz. Lenkerpartie, Sitzbank und die umfangreiche Elektrik mit Bleiakkumulator, Blinkern, Bremslicht, Lichthupe und Parkleuchte entsprachen ebenfalls der Schwalbe – das machte den Star bei Jugendlichen zum Favoriten der neuen Modellpalette.

Offiziell 60, tatsächlich mehr

Der gebläsegekühlte 50-cm³-Motor M53 KF leistete 3,4 PS und war eigentlich als offene 50er konstruiert – unter günstigen Bedingungen waren daher Geschwindigkeiten von über 70 km/h möglich, offiziell wurde der Star jedoch auf 60 km/h begrenzt, um als zulassungsfreies Kleinkraftrad zu gelten. Die Serienproduktion begann offiziell im Herbst 1964, stabil lief sie jedoch erst ab 1965 – als drittes Modell der Vogelserie nach Schwalbe und Spatz. Der Neupreis in der DDR betrug 1200 Mark, ein Export in die Bundesrepublik fand nicht statt.

Stetige Detailverbesserungen

1965 erhielt der Star einen neuen Vergaser mit separatem Start- und Leerlaufsystem, der einen sparsameren, störungsfreieren Motorlauf ermöglichte. 1966 änderte sich der Schrägungswinkel der Primartrieb-Verzahnung wegen zu lauter Fahrgeräusche. 1968 folgte die größte Überarbeitung: Als SR4-2/1 erhielt der Star den verbesserten Motor M53/1 KF mit deutlich höherem Drehmoment, das bereits bei 5000 statt 6000/min anlag – die Durchzugskraft verbesserte sich erheblich, wobei die reale Höchstgeschwindigkeit näher an die offiziellen 60 km/h herangeführt wurde.

Kritik und Lob der Fachpresse

Im KFT-Test von 1964 wurde der lang erwartete Star als bislang bestes Simson-Zweirad gelobt. Kritikpunkte betrafen Vibrationen, einen ungünstigen Drehmomentverlauf sowie eine im Kaltzustand schlecht trennende Kupplung. Auch der zunächst unzuverlässige Tacho und eine Überfettung im Teillastbereich, die den Verbrauch auf über 3 l/100 km trieb, wurden bemängelt – Probleme, die der neue Vergaser von 1965 weitgehend löste. Gemessen wurde eine Spitzengeschwindigkeit von 63 km/h bei geducktem Fahrer.

Ein Bestseller tritt ab

Mit dem Auslaufen des Spatz und dem Erscheinen des SR4-4 Habicht rückte der Star in den 1970er Jahren etwas in den Hintergrund, ehe er 1975 vom neu entwickelten S 50 abgelöst wurde. Insgesamt entstanden über die gesamte Bauzeit 505.800 Exemplare – eine beeindruckende Zahl, die den Star neben der Schwalbe zu einem der erfolgreichsten Modelle der gesamten Vogelserie macht.