Simson SR2: Der Bestseller aus Suhl (1957–1964)

Simson SR2: Der Bestseller aus Suhl (1957–1964)

Nachfolger mit Langzeitwirkung

Auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1957 präsentierte Simson das SR2 als Nachfolger des SR1 – und traf damit ins Schwarze. Zusammen mit der späteren Exportvariante SR2E entstanden bis 1964 über 900.000 Fahrzeuge, was das SR2 zu einem der meistgebauten Mopeds der DDR-Geschichte macht. Der Name steht für „Simson-Rheinmetall“, denn den Einzylinder-Zweitaktmotor mit Flachkolben lieferte weiterhin der VEB Büromaschinenwerk Sömmerda, ein Betrieb mit Wurzeln im Rheinmetall-Konzern – der Schriftzug „Rheinmetall“ fand sich deshalb noch lange auf den Motorengehäusen.

Technische Neuerungen gegenüber dem SR1

Anders als beim SR1 ließ sich der Motor des SR2 dank echtem Pedal-Kickstarter auch im Stand anwerfen. Bei eingelegtem zweitem Gang und gezogener Kupplung konnte man weiterhin klassisch „radfahren“. Der Vergaser besaß einen Tupfer zum Fluten beim Kaltstart, und der Tank wuchs von 4,5 auf 6 Liter – gut für eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern. Der Schwunglichtmagnetzünder leistete nun 18 Watt bei 6 Volt und versorgte einen Scheinwerfer mit Zweifadenglühlampe. Neben Maron und Beige gab es ab 1959 auch Blau und Bordeauxrot – das SR2 wurde sogar in die USA exportiert.

Das SR2E: Verbesserungen für den Export

Ab 1960 ergänzte das SR2E die Palette. Das „E“ stand für Export, denn Importeure hatten auf bessere Fahrwerks- und Leistungswerte gedrängt. Am Vorderrad kam eine neue Kurzschwinge mit Schraubenfedern zum Einsatz, der Federweg wuchs von 45 auf 60 Millimeter. Da die Weiterentwicklung von der Berliner Parteispitze zum Allgemeingut erklärt wurde, war das SR2E bald auch in der DDR selbst erhältlich.

1962 und 1963: Die große Überarbeitung

1962 folgte eine umfangreichere Überarbeitung ohne neue Modellbezeichnung: Die Vorderradschwinge wurde erneut verbessert (Federweg nun 72 mm), die Gabel geschweißt und robuster, die Sattelfederung optimiert. Durch höhere Verdichtung und geänderte Steuerzeiten stieg die Motorleistung auf 1,8 PS, was vor allem der Beschleunigung zugutekam. Die Fachpresse konstatierte damals, das Moped verliere zunehmend den Charakter eines reinen Kurzstreckenfahrzeugs und eigne sich nun auch für größere Überlandfahrten. 1963 erhöhte die Übernahme des Zylinderkopfs vom KR 50 die Verdichtung weiter auf 8,5, die Leistung stieg de facto auf 2,0 PS – offiziell blieb es aus verwaltungstechnischen Gründen bei den alten 1,8 PS.

Eine Afrikadurchquerung als Werbung in eigener Sache

Wie robust das SR2 war, bewiesen Wolfgang Schrader und Rüdiger König 1960 eindrucksvoll: Mit zwei SR2 durchquerten sie Ostafrika – ein Abenteuer, das später sogar in Buchform dokumentiert wurde und bis heute zu den bekanntesten Episoden der frühen Simson-Geschichte zählt.

Das Ende einer Ära – und ein neuer Anfang

So ausgereift und robust das SR2E auch war: Die internationale Entwicklung ging längst in Richtung motorradähnlicher, zweisitziger Kleinkräder mit Fußrasten und Fußschaltung. 1964 reagierte Simson mit einer komplett neuen Modellpalette, der sogenannten Vogelserie. Als eigentlicher Nachfolger des SR2E gilt der Simson Spatz. Bis heute ist das SR2 wegen seiner enormen Verbreitung eines der am stärksten in der DDR-Oldtimerszene vertretenen Fahrzeuge – ein echter Bestseller aus Suhl.