Simson S 83: Das Leichtkraftrad der Nachwendezeit (ab 1990)
Ein hubraumstärkerer Ableger des S 53
Als 1990 mit dem S 53 der letzte noch zu DDR-Zeiten entwickelte Mokick-Nachfolger der S-51-Reihe auf den Markt kam, brachte Simson zeitgleich mit dem S 83 eine leistungsstärkere Leichtkraftrad-Variante heraus. Wie schon zuvor bei S 50/S 70 und S 51/S 70 setzte das Werk damit die Tradition fort, aus einem Kleinkraftrad-Basismodell durch Hubraumvergrößerung eine zulassungspflichtige, aber leistungsstärkere Schwestervariante abzuleiten.
Technik: 70 cm³ für 75 km/h
Der Motor des S 83 leistete aus 69,9 cm³ Hubraum 4,1 kW (5,6 PS) und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h, weshalb das Fahrzeug als zulassungspflichtiges Leichtkraftrad eingestuft wurde. Der Kraftstoffverbrauch lag bei rund 2,5 Litern auf 100 Kilometer. Basis war der bewährte, weiterentwickelte Zweitaktmotor M541, wie er bereits im S 51 und S 70 zum Einsatz gekommen war, kombiniert mit dem moderneren, plastikverkleideten Fahrgestell des S 53.
Acht Varianten für jeden Zweck
Der S 83 wurde in einer bemerkenswerten Modellvielfalt angeboten: Die Straßenvarianten N, B, C und CX unterschieden sich in Ausstattungsdetails wie Trommel- oder Scheibenbremsen, Drehzahlmesser und Federbeinen. Daneben standen mit E und OR zwei geländetaugliche Off-Road-Varianten mit grobstolliger Bereifung, längerer Federgabel und höher gelegtem Auspuff zur Verfügung. Ab 1994 kamen die modifizierten Versionen alpha (Straße) und beta (Gelände) hinzu, die eine größere, allerdings weniger elegante Lampenkanzel sowie ein neues, über die Federbeine geführtes Heckverkleidungsteil erhielten.
Ein Fahrzeug der Umbruchzeit
Der S 83 entstand in einer wirtschaftlich schwierigen Phase: Ende 1991 kam die Simson-Fertigung zeitweise fast vollständig zum Erliegen, bevor die Produktion 1992 unter neuen rechtlichen Rahmenbedingungen fortgesetzt wurde. Die politische Wende erzwang zudem technische Anpassungen, etwa bei der Auslasssteuerzeit des Zylinders, um die neuen bundesdeutschen Vorschriften zu erfüllen. Anders als der S 53 blieb der S 83 dabei durchgehend ein zulassungspflichtiges Fahrzeug mit voller Leistung.
Ein Nischenprodukt bis zum Werksende
Der S 83 wurde bis in die 1990er Jahre hinein gefertigt und blieb, ähnlich wie schon sein Vorgänger S 70, ein Nischenprodukt mit vergleichsweise geringen Stückzahlen im Vergleich zu den populären Kleinkraftrad-Modellen der Marke. In der Simson-Szene wird der S 83 heute vor allem von Enduro-Fans geschätzt, die die geländetauglichen Varianten E, OR und beta wegen ihrer robusten Technik und guten Ersatzteilverfügbarkeit über den MZA-Nachfolgebetrieb schätzen. Er markiert damit einen der letzten Entwicklungsschritte der traditionsreichen Suhler Zweiradfertigung vor der endgültigen Werksschließung im Jahr 2002.